Calaanan – das Jahr geht zu Ende

Mäge in Cagayan de Oro

Shahani, Mäge, Thata und Keno

Shahani, Mäge, Thata und Keno


Inhalt:
– College Studenten: 29 werden neu immatrikuliert
– Urbanes Gärtnern – gesünderes Essen für die Familien
– Mäge’s Geburtstag
– Computerspende an die High School
– das nützliche Weihnachtsgeschenk

Als erstes muss Mäge und unsere Mitarbeiter Thata, Shahani und Keno mit einer College-Studentin sprechen, die schon zwei Mal ihre Noten gefälscht hat (sie hat die einer Kollegin als die ihren ausgegeben) und statt bestanden nun bei vielen Fächern durchgefallen ist – vor allem auch wegen vieler Absenzen. Ihre Mutter ist völlig geschockt, als sie davon hört. Wenn man Filipinos beim Lügen oder Betrügen ertappt, sagen sie meist nichts mehr, senken den Kopf und lassen, was immer kommt, über sich ergehen. Praktisch nie sagen sie, dass es ihnen leid tut und sie versuchen auch nie zu erklären, warum sie etwas gemacht haben. Unsere Studenten haben natürlich auch einen Vertrag unterschrieben, in dem steht, dass ein Noten-fälschen einen sofortigen Ausschluss nach sich zieht. Obwohl wir es sehr bedauerlich finden, dass das Mädchen ihre Ausbildung hinwirft, waren die 1.5 Jahre nicht umsonst, denn sie hat als College-Studentin grössere Chancen im Arbeitsmarkt als die High School Abgänger.
Wir selbst haben einmal mehr gelernt, dass wir mehr nachprüfen müssen und bei den meisten Colleges kann man nun online die Noten abrufen. Trotzdem stimmen uns so Erlebnisse immer traurig, aber unsere anderen 29 College Studenten sind alle dankbar und geben sich Mühe, lernen und sind fleissig.
Auch von ehemaligen College Studenten hören wir immer wieder, wie froh sie sind, dass sie nun dank der Hilfe von Batulong einen so guten Job haben.

Beispiel eines Eintrags auf der Batulong-Facebook-Seite. Merecris ist nun eine Lehrerin!

Beispiel eines Eintrags auf der Batulong-Facebook-Seite. Merecris ist nun eine Lehrerin!

Vortrag über urbanes Gärtnern

Vortrag über urbanes Gärtnern

Am 17. November findet das „urban gardening“ – Seminar statt. Urbaner Gartenbau ist die gärtnerische Nutzung auf sehr kleinem Raum, meist in Gefässen. Die Eltern und unsere Mitarbeiter haben Pet-Flaschen gesammelt, die halbiert als Blumentöpfe dienen werden. Das Seminar wird einmal mit 125 Eltern am Morgen und einmal am Nachmittag mit 52 Eltern durchgeführt – so viele Mütter oder Väter konnten wir bisher noch nie für ein Seminar begeistern. Die Leiterin des Anlasses unterrichtet die Zuhörer vor allem über die Qualität der Erde, das Kompostieren und Erstellen von organischem Dünger. Als erster Schritt werden Auberginen und Petchay (eine Variation des Chinakohls) angesät und die Setzlinge sollen an einem zweiten Treffen pikiert und in die PET-Behälter gesetzt werden und danach mit einer Stange durchbohrt bei den Hütten aufgehängt werden. Bei diesem Nebeneinkommen-Projekt geht es nicht primär um den finanziellen Profit, den Eigenanbau bringt, sondern um die gesündere Ernährung der armen Bevölkerung. Der Filipino lebt zu einem Hauptteil von Reis. Reis zum Frühstück, Reis am Mittag, Reis am Abend, und davon einen grossen Teller voll mit ein wenig Beilage, oft bestehend aus einer Art Suppe oder gesalzenem Fisch. Gemüse kommt sehr selten auf den Teller, und wenn, dann nur ein paar Blätter oder Stücke. Wenn aber das Gemüse neben der Hütte wächst, wird sich die Ernährung enorm verbessern und die Mangelernährung bekämpft werden.

das Wichtigste: gute Erde

das Wichtigste: gute Erde

Aussaatboxen werden mit guter Erde gefüllt

Aussaatboxen werden mit guter Erde gefüllt

Grosses Interesse der Eltern am Seminar "urban gardening"

Grosses Interesse der Eltern am Seminar „urban gardening“

Auf den Philippinen ist es sehr wichtig, nach einem Seminar ein Zertifikat zu bekommen. Hier basteln Thata und Keno an den vielen Zertifikaten für die Eltern.

Auf den Philippinen ist es sehr wichtig, nach einem Seminar ein Zertifikat zu bekommen. Hier basteln Thata und Keno an den vielen Zertifikaten für die Eltern.

Mäge erhält eine Mail, dass sein Flug nach Manila wegen des APEC (Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft)-Gipfels und der kurz nach den Pariser Anschlägen verhängten Nicht-Flug-Zone über Manila gestrichen wird. So verschiebt er das Glacé-Verteilen an seinem Geburtstag einen Tag vor und wird von den Eltern am 17. November mit einer wunderschönen Geburtstagsparty überrascht.
Die etwa 40 Eltern „der ersten Stunde“ singen während etwa 20 Minuten alle Arten von Geburtstagsliedern, überreichen eine Torte und rote Rosen und als Abschluss tanzt Mäge mit jeder der Frauen. Eine soll ihn gefragt haben „Tango, Sir?“ J.
geburtstag
Mäge sagt darüber, dass es eine der schönsten Geburtstagsfeste seines Lebens gewesen sei. Ein kleiner Video-Ausschnitt ist hier zu sehen: https://youtu.be/-hDXvLc19wA
Bei den Nähfrauen findet zwischendurch eine Krisensitzung statt und wir befürchten schon, dass sich die Gruppe zerstreitet, aber die Sitzung findet ein gutes Ende mit der Realisation, dass man schneller arbeiten muss, um genug Profit zu erzielen. Die Gruppe arbeitet neue Konditionen aus, z.B, dass nun der Lohn pro Stück hergesteller Topflappen berechnet wird und nicht mehr pro Zeit. Faszinierend, dass diese Gruppe nur mit Hilfe der Sozialarbeiterin eine Lösung gefunden hat, um der sich einschleichenden Trägheit einzelner Mitarbeiterinnen entgegenzuwirken.

Die High School fragt uns an, ob wir für die Schule Computer spenden würden, denn auf den Philippinen müssen Gebäude und grössere (und auch kleinere) Anschaffungen durch Spenden getragen werden. Wir entscheiden uns für ein Budget von 1000 Fr. und können dafür zwei neue, gute PCs und einen Drucker für die Oberstufenschule kaufen.

Übergabe der Computer und des Druckers an die High School

Übergabe der Computer und des Druckers an die High School

Reymark, der am offenen Herzen operierte Junge, ist noch am Erholen bei Verwandten und es geht ihm gut. Jean Louise wird im Februar mit der Mutter nach Manila reisen, wo sie den Lungen-Arterien-Druck messen lassen muss, bevor entschieden wird, ob die Katheter-Herzoperation durchgeführt werden kann (im Moment nimmt sie Medikamente). Auch Hanna ist noch in den Vorbereitungen zur Operation, z.B müssen die kaputten Zähne geflickt oder gezogen werden als Voraussetzung für die Herz-OP.

An Weihnachten bekommen die Batulong-Kinder jeweils ein praktisches Weihnachtsgeschenk. In den letzten Jahren waren dies Schirme / Regenjacken, T-Shirts, eine Umhängetasche, Etuis, Wasserflaschen usw. Für das diesjährige Geschenk wurden wir auf unseren Hausbesuchen in den Sendong-Siedlungen inspiriert, wo meist einige Familienmitglieder auf dem Boden schlafen, im schlechtesten Fall auf einem Tuch oder Karton. Während man früher auf dem Bambusboden, in Distanz zur Erde, geschlafen hat, können die Leute im Umsiedlungsort nur auf dem Betonboden schlafen – ein harter und kalter Untergrund. Deshalb machen wir uns auf die Suche nach Schlafmatten und unsere Managerin findet schwarze Gummimatten, die wir wenn möglich noch mit unserem Logo bedrucken werden. Wir sind gespannt auf die Lieferung von 400 Schlafmatten!

Für einen besseren und gesünderen Schlaf...

Für einen besseren und gesünderen Schlaf…

Liebe Blog-Leser

Danke, habt ihr den Blog gelesen und so am Leben der umgesiedelten Menschen in Calaanan teilgenommen. Wir wünschen euch jetzt schon frohe Weihnachten und grüssen herzlich.
Weihnachten
Mäge und Franca

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Über und unter Wasser

Der Hafen von Romblon und unser 2GO-Schiff

Der Hafen von Romblon und unser 2GO-Schiff

Romblon

Romblon ist eine kaum bekannte Provinz und unsere Freunde in Mindanao z.B. können nicht sagen, wo sie liegt. Aber alle haben schon von Boracay gehört – das Ibiza der Philippinen – und die Provinz Romblon mit den Inseln Tablas, Romblon und Sibuyan liegt gerade nördlich davon. Während täglich Touristen auf die Bade- und Partyinsel fliegen, ist es in Romblon allerdings sehr ruhig und wir sehen nur selten ein weisses Gesicht :-). Die Insel Romblon besteht praktisch aus Marmor: schwarzes, weisses, graues und braun-gelbes Gestein wird tonnenweise abgebaut: vor allem das weisse ist gefragt und wird in Japan gemahlen und als Zusatz für Tabletten verwendet. Natürlich werden auch kleine und grössere Gegenstände und Skulpturen hergestellt. Mit dem Abbau von Marmor kommt leider auch die Belastung für die Natur und die aufgebrochenen Hügel kann man nach einer Stunde Schifffahrt noch sehen!
In den letzten 10-20 Jahren ist der Fischbestand stark zurück gegangen, weil die Zahl der Bevölkerung um 50% gestiegen ist. Positiv ist, dass Dynamit- und Zyanid-Fischen viel stärker geahndet wird als damals und dort, wo wir tauchen, nicht mehr vorkommt. Zwar gibt es immer mehr Fisch-Schtzgebiete, aber mehr, um von Tauchern und Schnorchlern Gebühren zu kassieren, als weil man dort nicht mehr fischen will, und so finden wir beim Tauchen oft Netze oder Fischerleinen, die sich verheddert haben oder mit Schnur umwickelte Steine, die gebraucht werden, um Fische aufzuscheuchen. Dass mit dieser Technik oft Korallen zerschlagen werden, ist den Fischern egal – sie denken nur an ihr nächstes Essen. Dabei ist es so wichtig, dass die Jungfische bis zur Geschlechtsreife am Leben bleiben und die Korallen – die Kinderstube vieler Fische- intakt sind.

der Cabanbanan-Beach in Romblon

der Cabanbanan-Beach in Romblon

In Romblon hat unser schweizer Freund Joe vor 17 Jahren ein einzigartiges Fisch- Schutzgebiet errichtet, rund um das Cabanbanan Resort. Speziell ist, dass während 24 Stunden an 7 Tagen immer ein „guard“ auf einem Bötchen patroulliert. Als wir 2002 das erste Mal dort schnorchelten, war es schon schön zum Schnorcheln und Tauchen im Fischschutzgebiet, aber in den letzten 13 Jahren hat sich Vieles positiv verändert: Hart- und Weichkorallen sind gewachsen, die „Clams“ (bei uns Mördermuschel genannt) sind bis zu 60/70 cm gewachsen und vor einigen Jahren wurden die ersten Schildkröten und Baby-Schwarzspitzenhaie gesichtet. Immer wieder entdeckt man Neues – diesmal z.B der erste „painted frogfish“. Dass man die ersten grösseren (Teenager) Schwarzspitzenhaie beim Tauchen sehen kann (und nicht nur beim Schnorcheln), ist auf den Philippinen weit und breit einzigartig!

Froschfisch - ein Anglerfisch, der sich der Umgebung anpassen kann. Grösse: ca 8 cm

Froschfisch – ein Anglerfisch, der sich der Umgebung anpassen kann. Grösse: ca 8 cm

Junger Weissspitzenhai beim Schnorcheln - er ist vielleicht 70 cm lang. Hoffentlich bleibt er im Schutzgebiet! Seine Brüder und Schwestern, die es verlassen haben, wurden gefangen...

Junger Schwarzspitzenhai beim Schnorcheln – er ist vielleicht 70 cm lang. Hoffentlich bleibt er im Schutzgebiet! Seine Brüder und Schwestern, die es verlassen haben, wurden gefangen…

Ihr seht, wir sind begeistert! Aber nicht nur unter Wasser ist es am Cabanbanan schön: wer Ruhe und frische Luft, freundliche Leute und Erholung sucht, ist hier richtig!IMG_0232IMG_0233

Nun sind die knapp zwei Wochen wieder vorüber, wir haben das Schiff und den Bus nach Manila zurück genommen und haben zwei verschiedene Flieger bestiegen (in die Schweiz und nach Cagayan de Oro zurück). Der nächste Blogeintrag berichtet dann wieder von der Arbeit für Batulong.

 

Zum etwas grösser anschauen, auf Fotos klicken

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Alltagsleben abseits der Touristenströme

Zwischendurch vergessen wir, dass wir in einer Feriendestination sind. Zu andersartig ist das tägliche Arbeitsleben hier in der Stadt, gefühlsmässig weit weg von Strand, Meer und Palmen. Es ist aber auch spannend, die andere Seite dieses Landes zu erleben.
Cagayan de Oro ist ein bisschen unser zweites Zuhause und in einigen Restaurants erkennen uns die Angestellten jeweils wieder (es gibt recht wenig Weisse hier und praktisch keine Touristen-Paare). Wir haben ja schon einmal über Bettler geschrieben und dass wir nur denen etwas geben, die wegen einer Behinderung oder ihres hohen Alters nicht arbeiten können. Als der ca. 35-jährige Bettler ohne Beine und nur einer Hand uns wieder sieht, strahlt er und sagt; „oh, welcome back Ma’mSir“. Leider kann er nicht mehr Englisch, wir würden gerne mal etwas mit ihm plaudern.
Sich zu Fuss in den Strassen von Cagayan fortzubewegen ist eine Herausforderung: zum Überqueren der Strasse Lücken im Verkehr erkennen, auf dem Trottoir Hindernissen wie Löcher, Strassenschilder, Abfall, parkierten Autos und extrem langsam gehenden Fussgängern ausweichen und den Atem anhalten, wenn die Jeepneys, SUVs und Motorelas an einem vorbeifahren.

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Warten auf unser Jeepney in CDO

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Blick auf ein Trottoir

Umso mehr freuen wir uns nun auf Romblon mit seiner überblickbaren Population und dem Cabanbanan beach unterhalb eines von Bäumen bewachsenen kühlen Tales!
Aber wir wollten ja noch kurz auf ein paar Sitten und Gebräuche oder kulturelle Eigenheiten hier eingehen für all diejenigen, die auch mal auf die Philippinen reisen wollen. Das Land der 7100+ Inseln hat sehr freundliche und hilfsbereite Bewohner, ist einfach zu bereisen und sehr preiswert. Das Essen ist nur in sehr teuren Restaurants wirklich gut und nicht zu vergleichen mit dem Rest Südostasiens. Man isst mit Gabel und Löffel, wobei dieser auch als Messer dient, sollte es mal etwas zum Zerschneiden geben. Eine Esskultur wie bei uns, wo man als Familie oder mit Freunden zu Hause um einen Tisch sitzt, isst und plaudert, haben wir hier nicht erlebt. Bei einer Einladung zum Essen sitzt die Gastgeberin mit uns, der Rest der Familie sieht fern oder macht sonst etwas.
Etwas Anderes, für uns nicht Nachvollziehbares, ist die Lärmresistenz, ja sogar Lärmbegeisterung der Filipinos. Überall wird man beschallt, manchmal mit drei verschiedenen Musikstücken aus verschiedenen Richtungen. Ob es die Filipinos nicht stört oder sie sich einfach so gewohnt sind, sich niemals zu beklagen, wissen wir nicht. Wenn wir unsere Freunde fragen, ist ihre Reaktion ein Schulterzucken und ein „ja, so ist es manchmal auf den Philippinen“. Die Leute hier sehen uns bestimmt als Mimöschen, die keinen Lärm und Gestank aushalten.
Nun fliegen wir also wieder nach Manila, fahren dann mit dem Bus wieder 2 Stunden ans untere Ende der Insel Luzon, wo wir das Nachtschiff nach Romblon nehmen. Morgen früh sind wir dann dort, wo wir die nächsten zwei Ferienwochen verbringen. Franca fliegt danach nach Hause und Mäge zurück nach Cagayan de Oro.

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Lebensgeschichten und Zukunftsideen

Am Samstag und Sonntag besuchen wir im Krankenhaus unsere freiwillige Mitarbeiterin Lorna, die leider das Kind im 5. Monat ihrer Schwangerschaft verloren hat. Auf den Philippinen braucht man als Patient einen „watcher“ – jemanden, der die ganze Zeit dort ist und Essen, Medikamente und in Lorna’s Fall Blutkonserven organisiert. Wir sind dort, um das Geld dafür zu geben.
Einmal mehr sind wir über die Zustände in den staatlichen Krankenhäusern geschockt. In der Geburtenabteilung haben die Frauen kein eigenes Bett, sondern 1 Bett wird von 4 Frauen plus ihren Babies geteilt! Dass eine Frau, die gerade ihr totes Kind zur Welt gebracht hat, das Bett mit 3 stillenden Müttern teilen muss, finden wir doch recht arg. Lorna kann aber gut damit umgehen, weil die Schwangerschaft nicht gewollt war und es schon das fünfte Kind gewesen wäre. Dennoch möchte sie sich nicht unterbinden lassen, denn neben den Informationen der Ärzte und Krankenschwestern wird unter den Frauen verbreitet, dass man nach der Unterbindung sexsüchtig werde und dass Implanon – die implantierte Pille – Gedächtnisverlust auslöse. In Bezug auf Aberglauben sind die Filipino Spitzenreiter. Die Leiterin des mehrmonatigen Gesundheits-Seminars für unsere Mütter verspricht uns, dass nach ihrer Lektion über Empfängnisverhütung keine Fehlinformationen mehr bestehen würden. Hoffen wir’s!

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Nähgruppe - etwas verdienen und sozialer Kontakt in einem

Unsere Nebenerwerb-Nähgruppe läuft super: jeden Tag treffen sich Frauen, um in unserem schmalen Anbau Türvorleger und Topf-/Putzlappen zu produzieren. In den nächsten zwei Wochen wird zudem eine Schulung zur Herstellung von Seife und mit anderen Eltern unserer Batulong-Kinder eine weitere zum Gemüseanbau in Gefässen durchgeführt. Die meisten Bewohner der Umsiedlungs-gebiete haben zu wenig Platz für einen Garten, könnten aber mit etwas Wissen über Kompost-Herstellung und Verwendung von Plastikbehältern rund ums Haus Gemüse anpflanzen. Die Förderung unserer sogenannten lifelihood-projects (Erwerbs-Projekte) liegen uns am Herzen und sollten in Zukunft wirklich Teppiche, Seifen und später philippinische Würste (Longanisa) bei uns hergestellt werden, brauchen wir mehr Platz. Als wir dann in der Bank sitzen, die den Verkauf der Grundstücke in unserem Quartier vermittelt, wird uns bewusst, dass wir nicht mehr lange warten dürfen mit einem Kauf – eigentlich gibt es nur noch ein Grundstück, das für uns ideal wäre: an der Hauptstrasse, wo die Eltern in einem Laden auch ihre Produkte verkaufen könnten. Vom Filialleiter der Bank bekommen wir die Idee, dass die Eltern sich in einer Genossenschaft organisieren könnten und im Büro für Genossenschaften erhalten wir weitere Informationen. Im nächsten halben Jahr wollen wir deshalb den Kauf eines weiteren Grundstücks und das Interesse der Eltern an der Gründung einer Kooperative prüfen.

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Vielleicht werden wir dieses Stück Land für unser Liefelihood-Programm kaufen

Unser Hauptanliegen bleibt aber die Schulbildung der Kinder. Auf unseren Hausbesuchen treffen wir diesmal viele alleinerziehende Eltern an; einige haben ihren Partner vor 4 Jahren in der Flut verloren oder er ist in jungen Jahren gestorben, aber die meisten sind getrennt

Eine etwas spezielle Geschichte sei hier noch erzählt: Ein sehr dünner, 64-jähriger Mann kommt zu uns ins Batulong-Center, nachdem er gehört hat, dass wir ihn besuchen wollten, als er nicht zu Hause war. Wir sind überrascht, dass er in seinem Alter noch ein Kind in der Primarschule hat, und er erzählt uns, dass er mit 48 eine damals 21-jährige Frau geheiratet habe. Seine Arbeit war, Prostituierte an ihre Freier zu vermitteln, aber es habe Probleme gegeben, als er sich in eine der Frauen verliebt und sie bevorzugt habe… Leider ist sie eine der vielen Vermissten nach der Sendong-Flut.
Als wir die Geschichte hören, kommen plötzlich Zweifel auf, ob z.B seine Tochter in der High School sicher ist (oder sie nun „vermittelt“ wird) und wir gehen am nächsten Tag nochmals bei ihm zu Hause vorbei. Als wir seine Wohnverhältnisse sehen und später seine Kinder kennen lernen, sind sämtliche Zweifel beseitigt. Der alte Mann mit seinen beiden Kindern braucht wirklich Hilfe. Für den Jungen und das Mädchen sind die ersten Dinge, die sie bei der Aufnahme bekommen, glaub wie Weihnachten: sie strahlen auf jeden Fall über die Schultasche, de Block und Kugelschreiber, die Schuluniform für das Mädchen (wir hatten noch eine übrig) und die Batulong-T-shirts. Der Junge hat seins gerade über seinem alten anbehalten.

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Zu Hause bei Herrn Chua.


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Die beiden Kinder von Herrn Chua bekommen Schulmaterial und Batulong-T-shirts


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Freudentränen in den Augen von Herrn Chua


Hinter jedem der neu akzeptierten Kinder und ihren Eltern steht eine Lebensgeschichte meist traurigen oder tragischen Inhalts, aber wir hoffen, dass für sie durch Batulong Lebenschancen entstehen, die sie zu ergreifen wissen.

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I was late…

„Ich war zu spät“, das haben wir gestern noch häufiger gehört als sonst. Es ist die Erklärung von vielen Filipinos, warum etwas nicht gemacht oder erreicht wurde, in unserem Fall vor allem von College Studenten. Das erste Gespräch findet statt, weil der angehende Polizist es nicht schafft für die erste Lektion des Tages rechtzeitig aufzustehen – die logische Folge davon sind ungenügende Noten. Dazu kommt ein weiteres ungenügendes Fach, weil eine schriftliche Arbeit „verloren gegangen sei“. Nachdem das Zu-spät-kommen schon im April ein Thema war und er unsere Ermahnung offenbar nicht ernst genommen hat, müssen wir diesmal noch deutlicher werden: wenn er seine Haltung nicht sofort ändert, werden wir die College-Unterstützung jemand anderem zukommen lassen.
Am Nachmittag führen wir ein ähnliches Gespräch mit einem 20-jährigen Studenten, dessen Vater uns um finanzielle Hilfe gebeten hat. In diesem Fall kommt der Schüler zweimal täglich zu spät: am Morgen und am Nachmittag, weil er statt in seine Englischlektion nach Hause zum Mittagessen fährt. Auch bei ihm ging angeblich eine Arbeit verloren …
Die Abschlussprüfungen finden in einer guten Woche statt und der junge Mann hat hoffentlich verstanden, dass er seine Einstellung und seine Bemühungen ändern muss, wenn er von Batulong unterstützt werden will.
Der Rest der 29 Batulong-College-Studenten ist aber fleissig und hat kein Problem mit dem Zeit-Management. Es gehört ja auch zu unserem Ziel, die Teenager zu begleiten und beraten, damit sie später eine gute Stelle finden werden.
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Auf unseren gestrigen Hausbesuchen erleben wir zwei spezielle Fälle, die zeigen, dass es sehr motivierte Teenager gibt: Jeffril’s Mutter ist gestorben und sein Vater ausgezogen, weil er eine neue Partnerin hat. So lebt der Junge in der 3.Oberstufe allein in einem schäbigen Hausteil und seine Tante kommt manchmal und kocht für ihn. Der Vater gebe ab und zu Geld und sonst bekommt der Junge Reis von seinen Kollegen. Das Spezielle ist aber, dass seine Schulnoten sehr gut sind. Mit einem Notendurchschnitt von 93% muss er einer der besten Schüler seines Jahrgangs sein! Es wird Batulong eine Freude sein, dem Jungen eine College-Ausbildung zu ermöglichen und ihm bis dann als Batulong-Kind alle Schul- und Materialkosten zu decken und jeden zweiten Tag ein Mittagessen zu geben.

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auf Hausbesuche: hier eine Grossmutter, die ihre Enkel betreut, weil die Eltern nicht mehr da sind

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Statt eines Schranks: Kartonschachteln

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Bei einem anderen Besuch treffen wir eine desinteressierte Mutter und ein Schule schwänzendes Kind an und wir haben nicht den Eindruck, dass da jemand Schulunterstützung möchte, bis wir realisieren, dass gar nicht die Eltern um Unterstützung gebeten haben, sondern einer der Söhne, der eine Kurzlehre machen möchte: solche Initiative wollen wir gerne belohnen.
Bei der letzten Familie, die wir an diesem Tag besuchen, wird unsere Sozialarbeiterin fündig: jedes Mal, wenn sie bei den Sendong-Flutopfern eine grüne „Shelter-box“ sah, fragte sie, ob sie noch das Zelt hätten, in dem sie die ersten 3 Monate nach der Katastrophe gewohnt hatten. Die Unicef-Zelte haben eine super Qualität und wären ideal für die Sommercamps mit dem Batulong-Kindern. Diese Familie hat ihr damaliges temporäre Zuhause noch, aber in den letzten 4 Jahren haben hunderte von Ameisen und einige Kakerlaken ihren Weg in die Box gefunden. Wir tragen alles auf die Strasse und entfernen die meisten Insekten: das Zelt muss geputzt und mit unseren Nähmaschinen geflickt werden, aber dann wird es uns einen guten Dienst erweisen. Die Familie bekommt einen guten Preis dafür und alle sind zufrieden.

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Shelter box

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erste Begutachtung des Sendong-Zeltes

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Noknok, unser Hausmeister, entfernt den Rost an den Stangen und bestreicht sie neu


Zurück im Batulong-Center sitzen drei Studenten der ALS (alternative learning class,), eine Klasse für Studenten, die den Schulabschluss nachholen wollen, immer noch da und warten auf ihre Lehrerin. Eigentlich hätte die Lektion um 8 Uhr anfangen sollen, dann wurde der Unterricht auf 10 Uhr verschoben und später noch auf 13 Uhr. Eine der Stärken der Filipinos ist die Geduld zu warten. So warten die drei einfach den ganzen Morgen bei uns im Batulong-Center. Eine der Schülerin ist ein von Batulong unterstützes Mädchen, das auch auf eine Herzoperation wartet. Weil sie sich schonen muss, besucht sie im Moment diese Klasse statt der High School. Ich setzte mich etwas zu den Jugendlichen hin und mache eine spontane Geographie-Lektion mit Hilfe einer Weltkarte. Dass sie nicht wissen, wo die Schweiz ist, kann ich ja noch gut verstehen, aber dass sie nicht wissen, wo ihr Nachbar Indonesien ist und wie seine Hauptstadt heisst, überrascht mich doch ein wenig. Was die wohl lernen in der High School? Ich nutze die Gelegenheit ihnen mit dem schweizer Fotokalender etwas von meiner Heimat zu zeigen und zu erzählen.
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ALS Klasse


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Jean - Louise

Am nächsten Tag treffen wir Vilma von den German Doctors, die unsere „health class“ leitet – mehr als 20 Mütter machen einen mehrmonatigen Kurs, der nächstes Jahr mit einem Diplom abgeschlossen wird. An diesem Tag war das Thema „gesund und vitaminreich kochen“ und wir kamen auch in den Genuss von Suppe und Gemüse mit Mungobohnen, Muscheln und Kalamungay (Blätter schnellwachsender Bäume, von denen viele bei uns im Garten stehen).
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7.Oktober

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Batulongcenter - jetzt in Blau

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Das neue Team ab Januar: Franca, Keno, Thata, Mäge

8 Uhr: Keno unterschreibt den im Moment befristeten Sozialarbeitervertrag und bespricht mit Shahani den Einkauf der Zutaten für die geplante Seifenproduktion einer neuen Elterngruppe.
8.30: ein College Student muss bei uns vorbeikommen, weil er in der zweiten Benotung eine ungenügende Note hat. Es scheint nun so, dass der Lehrer ihn bei Gruppenarbeiten als abwesend eingetragen hat, obwohl er dort gewesen sei. Der Student versucht es zu klären, ansonsten müssen wir vorbei gehen und etwas Druck aufsetzen – es wäre nicht das erste Mal, dass ein Student für den Fehler eines Lehrers zahlen müsste.
10-13Uhr: Wir besuchen Familien, die von uns unterstützt werden möchten und alle haben eine Geschichte zu erzählen. Allen gemeinsam ist, dass sie bei der verheerenden Flut im Dezember 2011 fast alles verloren haben und dann nach Calaanan umgesiedelt wurden. Zwei der Frauen haben ausserdem ihren noch jungen Mann verloren, eine Frau kann weder lesen noch schreiben und eine andere Mutter macht sich Sorgen um ihren 4-jährigen Sohn, der schon fünf Lungenentzündungen hatte und an Asthma leidet. Eine Familie erzählt, wie sie in der Sendong-Flut, die sie nachts um 1Uhr im Schlaf überrascht hatte, um ihr Leben kämpften, aber leider eine ihrer Töchter nicht retten konnten. Ähnlich des Fotos mit dem toten Flüchtlingskind, das am Strand lag, ging vor 4 Jahren das Foto des trauernden Vaters mit seiner Tochter im Arm durch die Medien. Er zeigt uns das Kissen, das ihm als Nichtschwimmer das Leben gerettet hat und auf dem er seither schläft: es ist mit Wolle gefüllt und es sei nicht seins gewesen, es sei einfach da gewesen und er habe sich daran festgehalten…
Es ist so ganz anders, Tragödien in den Medien zu lesen und zu sehen oder sie von direkt Betroffenen zu hören und zu fühlen.

Am Nachmittag erwarten wir einen Studenten, von dem es aus unserer Sicht noch unsicher ist, ob wir ihm die College-Ausbildung ermöglichen: nicht nur sind seine Noten schlecht, er hat auch einen negativen Eindruck hinterlassen, als er unsere Managerin angelogen hat. Zwar schrieb er eine Nachricht, dass er noch etwas abgeben müsse und deshalb später komme, danach reagierte er aber weder auf SMS noch auf Anrufe, was unser Gefühl ihm gegenüber auch nicht verbesserte. Als es dann heftig zu regnen begann, war klar, dass er nicht mehr kommen würde.
Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende. Für Keno war es der erste Arbeits-Halbtag und wir sind gespannt, wie er sich in der neuen Rolle einlebt.
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Das Meer sehen

Bei unserem Engagement auf den Philippinen ist es häufig so, dass wir eine lange Zeit im Land der 7100 Inseln sind, bevor wir das Meer von Nahem sehen. Diesmal haben wir aber schon das erste Wochenende für unsere Lieblingsinsel Camiguin reserviert, um auch die letzten Resten des Jetlags auszukurieren. Während im April/Mai hier Hochsaison ist, gibt es jetzt kaum Touristen und auch die Unterwasserwelt ist nach hohen Wellen vor ein paar Wochen völlig verändert: wo im Mai noch Seepferdchen ihre Schwänzchen um Seegras ringelten, findet sich jetzt nur noch Sand! Obwohl wir wissen, dass es im Oktober immer weniger Kleinlebewesen hat als im philippinischen Sommer, sind wir doch zufrieden mit unseren sogenannten Muckdives (Schlamm- oder Drecktauchgänge) und was wir während jeweils mehr als 80 Min. tauchen sehen. Hier ein paar Fotos…

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